Sufismus
- anetteirsfeld
- 6. Juni
- 2 Min. Lesezeit
Der Sufismus ist ein ganz wichtiger Teil der Geschichte Usbekistans und begegnet euch in Buchara und Samarkand ständig – auch wenn man ihn nicht immer sofort erkennt.
Was ist Sufismus?
Der Sufismus ist die mystische Strömung des Islam. Während sich die klassische Religion stärker mit Regeln, Geboten und Ritualen beschäftigt, suchen Sufis die unmittelbare Verbindung zu Gott durch:
Meditation, Gebete und Gesänge, Musik, Tanz (bekannt von den tanzenden Derwischen), Bescheidenheit,Nächstenliebe,innere Reinigung
Sufis sagen oft:
„Der Weg zu Gott führt nicht nur über Wissen, sondern über das Herz."
Warum ist Buchara ein Zentrum des Sufismus?
Buchara war über Jahrhunderte eines der wichtigsten spirituellen Zentren Zentralasiens.
Der berühmteste Sufi-Meister Usbekistans war: Bahauddin Naqschband
Er lebte im 14. Jahrhundert nahe Buchara und gründete den Naqschbandi-Orden, der bis heute einer der bedeutendsten Sufi-Orden der Welt ist.
Seine Lehre war überraschend schlicht:
Arbeite. Lebe mitten in der Gesellschaft. Sei bescheiden. Diene anderen Menschen. Denke dabei ständig an Gott.
Sein bekanntester Satz lautet:
„Das Herz bei Gott, die Hände bei der Arbeit."
Warum passt das zu Usbekistan?
Die Menschen wirken eher zurückhaltend. Niemand missioniert. Niemand drängt sich auf. Die Religion wird meist ruhig und privat gelebt. Das hat viel mit der langen sufistischen Tradition zu tun.
Die Usbeken sagen oft:
„Ein guter Mensch ist wichtiger als ein lauter Gläubiger."
Sufismus und die Sowjetzeit
Während der Sowjetunion wurden Moscheen geschlossen und Religion unterdrückt.
Viele sufistische Traditionen überlebten jedoch heimlich in Familien.
Seit der Unabhängigkeit 1991 erlebt der Sufismus wieder eine Renaissance.
Deshalb sieht man heute wieder: Pilger an Heiligengräbern, Menschen, die Kerzen anzünden, Familien, die Gräber besuchen, Gebete an heiligen Orten
ohne dass der Islam hier so streng wirkt wie in manchen anderen Ländern.
Immer wieder begegnen wir auf unserer Reise dem Sufismus, der mystischen Strömung des Islam. Besonders in Buchara spürt man diese Tradition bis heute. Die Menschen wirken ruhig, höflich und zurückhaltend. Religion scheint hier weniger durch strenge Regeln als vielmehr durch innere Haltung gelebt zu werden. Vielleicht erklärt das auch die besondere Atmosphäre dieser Stadt, die seit Jahrhunderten nicht nur Handelszentrum der Seidenstraße, sondern auch ein Ort spiritueller Suche war.




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