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Tag 2

  • anetteirsfeld
  • 5. Juni
  • 2 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 6. Juni

Tag 2 – Zwischen Feiertagsverkehr und Zentralasien

Dienstag, 26.05.2026

Morgens um 9 Uhr startet unser erstes richtiges Tagesprogramm. Alles läuft bestens organisiert und pünktlich. Doch schnell zeigt sich, dass dieser Tag vor allem Geduld verlangt.

Taschkent (Stadt aus Stein) überrascht. Viele verbinden Usbekistan zunächst nur mit Moscheen, Wüste und Karawanen – doch die Hauptstadt wirkt stellenweise fast futuristisch. Breite Straßen, großzügige Plätze und monumentale Gebäude erinnern an die sowjetische Vergangenheit des Landes.

Gleichzeitig entdeckt man überall orientalische Spuren: geschäftige Basare, kleine Teehäuser und kunstvoll verzierte Moscheen. Besonders faszinierend ist die Mischung aus Moderne, Tradition und dem Alltag der Menschen.

Im Hazrati Imam Komplex spürt man erstmals den tiefen religiösen und kulturellen Hintergrund Zentralasiens. Hier befindet sich eines der ältesten Koranexemplare der Welt. Der sogenannte Osman-Koran stammt vermutlich aus dem 7. Jahrhundert. Wir besichtigten auch die Barak-Khan-Medrese, die im 16. Jahrhundert erbaut wurde. Die ehemalige Koranschule ist heute ein religiöses Zentrum und dient als Museum. Immer wieder erzählte uns Irina von Alischer Navoiy, dem Goethe Usbekistans, der von 1441 bis 1501 lebte. Er schrieb in einer Vorläufersprache des heutigen Usbekisch. Er ist eine Art Nationalheld und ein Symbol der usbekischen Kultur. Zum Abschluss unseres Programms besuchten wir sein Denkmal.


Per Bus geht es weiter nach Samarkand (ca. 300 km)– eine der berühmtesten Städte der alten Seidenstraße. Doch morgen beginnt das Opferfest, eines der wichtigsten islamischen Feiertage, und gefühlt halb Usbekistan ist unterwegs.

Die Folge: endlose Staus.

Stundenlang schiebt sich der Verkehr langsam durch Städte, Dörfer und über Landstraßen. Mein erster ganz praktischer Reisetipp deshalb:

Die Strecke Taschkent–Samarkand möglichst niemals direkt vor einem großen Feiertag fahren, sondern besser mit der Bahn fahren oder fliegen.

Trotzdem bietet die lange Fahrt faszinierende Einblicke in den Alltag des Landes. Unterwegs sehen wir kleine Verkaufsstände, Familien auf Reisen und das ländliche Usbekistan abseits der touristischen Sehenswürdigkeiten.

Überraschend ist auch die Landschaft: In den Bergen geraten wir plötzlich in Regen – ein starker Kontrast zu den trockenen Bildern, die man normalerweise mit Zentralasien verbindet.

Was ebenfalls auffällt: Usbekistan wirkt insgesamt erstaunlich sauber. Straßen und öffentliche Plätze erscheinen gepflegt, selbst in kleineren Orten. Unsere Reiseleiterin erklärt uns, dass Schulkinder monatlich bei Säuberungsaktionen mithelfen und öffentliche Bereiche reinigen.


Am Abend erreichen wir schließlich Samarkand – jene legendäre Stadt, die bereits Alexander der Große bewundert haben soll. Noch sehen wir nicht viel, aber allein der Name weckt Bilder von Karawanen, blauen Kuppeln und orientalischen Märchen.

Geruch des Tages:

Regen auf warmem Asphalt und frisch gebackenes Brot.

Mein Moment des Tages:

Der Blick aus dem Busfenster auf die regennassen Berge Zentralasiens – völlig anders als erwartet.

Unbedingt merken:

Das Opferfest („Qurbon Hayit“) gehört zu den wichtigsten islamischen Feiertagen. Viele Familien reisen dafür quer durchs Land zu ihren Angehörigen – weshalb Straßen und Züge rund um die Feiertage oft völlig überfüllt sind.

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