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Tag 3

  • anetteirsfeld
  • 5. Juni
  • 4 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 6. Juni



Tag 3 – Samarkand: Glanz der Seidenstraße

Mittwoch, 27.05.2026

Heute sind wir in Samarkand – eine der berühmtesten Städte der Weltgeschichte.


Gestern Abend sind wir nach der langen Fahrt schließlich in Samarkand angekommen. Unser Hotel (Malika Prime) ist wirklich ganz hübsch, mit einer schönen Dachterasse.


Die Nacht selbst war allerdings alles andere als ruhig. Über Samarkand zog ein heftiges Gewitter hinweg. Immer wieder zuckten grelle Blitze über den Himmel, begleitet von lautem Donner, der zwischen den Gebäuden widerhallte. Dazu kamen meine Sorgen um meinen Kater zu Hause, dem es vor meiner Abreise nicht gut ging. Die Gedanken daran haben mich die ganze Nacht beschäftigt. Umso erleichterter war ich heute, als ich jemanden gefunden habe, der morgen mit ihm zum Tierarzt gehen wird.


Um 9 Uhr begann heute unser erstes großes Besichtigungsprogramm in Samarkand. Zunächst gingen wir zu Fuß zum ersten Mausoleum. Schon auf diesem ersten Spaziergang wurde spürbar, welche historische Bedeutung diese Stadt einst hatte. Unsere Reiseleiterin erzählte unglaublich spannend über die Herrscher Zentralasiens – allen voran über Timur, im Westen besser bekannt als Tamerlan.

Im 14. Jahrhundert machte Timur Samarkand zu einer der prachtvollsten Städte der damaligen Welt. Künstler, Wissenschaftler und Handwerker aus vielen Teilen seines riesigen Reiches wurden hierhergebracht, um Moscheen, Medresen und Mausoleen zu errichten. Die berühmten türkisfarbenen Kuppeln Samarkands stammen größtenteils aus dieser Zeit.

Auch die großen Dichter und Gelehrten Zentralasiens spielten heute immer wieder eine Rolle. Besonders der Name Alisher Navoi begegnet einem hier häufig – bis heute gilt er als einer der bedeutendsten Dichter der Region. Überhaupt spürt man überall, welchen hohen Stellenwert Kultur, Wissenschaft und Literatur in der Geschichte dieser Städte hatten.

Das Wetter blieb wechselhaft. Immer wieder zogen dunkle Wolken über Samarkand, mehrfach schüttete es kräftig. Trotzdem hatten wir Glück und kamen überall gut durch. Den ersten Teil des Programms machten wir noch komplett zu Fuß, später wurde unsere Gruppe wieder vom Bus eingesammelt.

Das Programm startete mit dem Gur-e-Amir-Mausoleum dem Grabmal Timurs aus dem Jahre 1404, Hier ruhen Timur, seine söhne, Engel und sein Lehrer Mir Said Baraka. Das Mausoleum ist das Vorbild für spätere Mausoleen auch den Taj Mahal. Dann ging es zum Registan (Sand), den berühmtesten Platz Zentralasiens. Er war früher Handelsplatz, politisches Zentrum und Ort für öffentliche Verkündigungen und ist heute das Wahrzeichen Usbekistans und beherbergt verschiedene Medresen. Die Ulugbek-Medrese entstand 1420, gegründet von Timurs Enkel Ulugbek. Hier wurden Mathematik und Astronomie gelehrt. Die Tilla-Kari-Medrese (mit Gold bedeckt) aus dem Jahre 1660 und die goldene Moschee im Inneren sind wunderschön. Die Scher-Dor-Medrese entstand im Jahre 1636 und ist bekannt für seine Löwenmotive. In den Höfen und ehemaligen Unterkünften der Studenten befinden sich heute touristische Geschäfte. Hier bekamen wir auch einen kleinen Eindruck der traditionellen usbekischen Handwerkskunst. Sehr interessant war auch eine kleine musikalische Vorführung in einer der Medresen. Ein Musiker zeigte uns alte zentralasiatische Instrumente mit zwei, drei oder fünf Saiten und spielte dazu traditionelle Melodien. Dazu kamen verschiedene Flöteninstrumente mit ganz eigenem, fast melancholischem Klang. Für einen Moment konnte man sich gut vorstellen, wie Musik entlang der alten Karawanenwege geklungen haben mag.

Später erfuhren wir außerdem viel über die berühmte Keramikkunst Samarkands und die aufwendige Herstellung der türkisfarbenen Fliesen und Ornamente, die bis heute die Moscheen und Mausoleen schmücken. Viele Muster symbolisieren Unendlichkeit, Harmonie oder religiöse Vorstellungen.

Besonders schön war die Mittagspause in einer alten Karawanserei – jenen historischen Rastplätzen entlang der Seidenstraße, an denen früher Händler und Reisende mit ihren Karawanen übernachteten. Heute ist vieles dort natürlich touristisch geprägt, aber die Atmosphäre war trotzdem wunderschön: ein ruhiger Innenhofgarten, alte Mauern, kleine Läden und überall orientalische Details.


Ganz in der Nähe liegt auch die monumentale Bibi-Khanum-Moschee, die wir heute zunächst nur von außen gesehen haben. Direkt daneben befindet sich der große Siyob-Basar, einer der ältesten und lebendigsten Märkte Samarkands.

Natürlich musste ich dort schon ein wenig stöbern und shoppen. Zwischen Gewürzen, Trockenfrüchten (besonders beliebt getrocknete Aprikosen gefüllt mit Walnüssen), Stoffen und frischem Fladenbrot herrscht ein geschäftiges, aber gleichzeitig entspanntes Treiben.

In einer Werkstatt (Konigil Seidenpapiermanufaktur) wurde uns gezeigt, wie das berühmte sogenannte „Seidenpapier“ hergestellt wird. Überraschenderweise besteht es gar nicht aus Seide, sondern aus der Rinde des Maulbeerbaums. Die Fasern werden eingeweicht, gekocht, geschlagen und anschließend in Handarbeit zu feinem Papier verarbeitet. Diese jahrhundertealte Technik stammt noch aus den Zeiten der Seidenstraße und galt früher als besonders wertvoll, weil das Papier langlebig und widerstandsfähig war.

Natürlich gehört auch hier vieles inzwischen zum touristischen Geschäft. Die schönen Schals, Tücher, Kleider und Handarbeiten sind oft deutlich teurer, als man zunächst erwartet. Wie in vielen touristischen Regionen der Welt werden für Besucher inzwischen recht stolze Preise aufgerufen. Trotzdem macht es Spaß, durch die kleinen Werkstätten und Läden zu schlendern und die traditionellen Techniken zu beobachten.

Am späten Nachmittag ging es zurück ins Hotel. Nach einer Dusche und einer kleinen Vorstellungsrunde in der Gruppe fuhren wir abends erneut in die Stadt zum Essen. Das Restaurant lag direkt hinter dem Registanplatz, mit wunderschönem Blick auf die beleuchteten Kuppeln und die nächtliche Altstadt.

Anschließend gingen wir zu Fuß zurück und ließen den Abend erneut auf der Dachterrasse in der Nähe unseres Hotels ausklingen. Langsam wird aus all den Namen, Geschichten und Bildern tatsächlich eine richtige Reise entlang der alten Seidenstraße.

„Getrocknet honigsüße Früchte

Von Buchara, dem Sonnenland,

Und tausend liebliche Gedichte

Auf Seidenblatt von Samarkand.“

Dieses Goethe-Zitat aus dem West-östlichen Divan begegnete uns heute ebenfalls – und irgendwie passt es perfekt zu diesem Tag voller Geschichten, Handwerk, Musik und orientalischer Atmosphäre.

Mein Moment des Tages:

Der erste Blick auf die beleuchteten türkisfarbenen Kuppeln Samarkands


Samarkand gehört zu den ältesten dauerhaft bewohnten Städten der Welt und war über viele Jahrhunderte einer der wichtigsten Knotenpunkte der legendären Seidenstraße.

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