top of page

Tag 6

  • anetteirsfeld
  • 5. Juni
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 6. Juni

Tag 6 – Buchara: Die Stadt der Kuppeln und Karawanen

Buchara empfängt uns heute mit strahlendem Sonnenschein. Bereits um acht Uhr morgens starten wir nach einem guten Frühstück zu Fuß durch die Altstadt.

Unser Hotel gefällt mir immer besser. Es liegt mitten im historischen Zentrum und gruppiert sich um einen wunderschönen orientalischen Innenhof. Luxus ist etwas anderes, aber man hat alles, was man braucht. Vor allem ist man sofort mitten im Leben dieser alten Karawanenstadt.

Schon gestern Abend waren wir gemeinsam essen. Von der Dachterrasse des Restaurants hatten wir einen wunderbaren Blick auf die beleuchteten Kuppeln und Minarette. Inzwischen kennen wir die usbekische Gastfreundschaft recht gut: Zunächst grüner Tee, dann Salate, Teigtaschen, Suppe und anschließend ein Hauptgericht (immer Fleisch). Für mich gab es einen Gemüsespieß, die anderen bekamen Schaschlik.. Zum Abschluss wird fast immer noch ein Dessert serviert.


Am Vormittag tauchen wir tief in die Geschichte Bucharas ein.

Buchara war über Jahrhunderte eine der wichtigsten Städte entlang der Seidenstraße. Händler aus China, Indien, Persien und Europa begegneten sich hier. Die Stadt war nicht nur Handelszentrum, sondern auch eines der bedeutendsten religiösen und wissenschaftlichen Zentren der islamischen Welt.


Poi-Kalon-Komplex – Das Herz Bucharas

Der erste Höhepunkt war der gewaltige Poi-Kalon-Komplex.

Kalon-Minarett

Mit knapp 47 Metern Höhe war es über Jahrhunderte das höchste Bauwerk Zentralasiens. Es wurde bereits 1127 errichtet und diente nicht nur dem Gebetsruf, sondern auch als Orientierungspunkt für Karawanen.

Der Legende nach war selbst Dschingis Khan so beeindruckt von dem Turm, dass er ihn als eines der wenigen Bauwerke Bucharas verschonte.

Mir-Arab-Medrese

Die berühmteste Koranschule Usbekistans. Während der Sowjetzeit war sie eine der wenigen islamischen Lehrstätten, die überhaupt weiterbestehen durften.

Kalon-Moschee

Eine der größten Moscheen Zentralasiens mit Platz für mehrere Tausend Gläubige.

Die Ark – Festung der Emire

Die Ark war über viele Jahrhunderte Regierungssitz der Emire von Buchara.

Die Festung wurde 1920 bei der Eroberung Bucharas durch die Rote Armee schwer zerstört. Die historischen Fotos im Museum zeigen eindrucksvoll die gewaltigen Schäden.

Bolo-Hauz-Moschee

Eine der schönsten Moscheen Bucharas.

Besonders beeindruckend:

die filigranen Holzsäulen, die bemalte Holzdecke, die Spiegelung im ehemaligen Wasserbecken. Sie war die Freitagsmoschee der Emire.

Das Samaniden-Mausoleum

Für viele Historiker das bedeutendste Bauwerk Bucharas.

Erbaut um 900 n. Chr. gilt es als eines der ältesten vollständig erhaltenen islamischen Bauwerke Zentralasiens.

Besonders faszinierend:

ausschließlich aus gebrannten Ziegeln gebaut, keinerlei Fliesen

kunstvolle geometrische Muster allein durch die Anordnung der Ziegel

Während viele andere Bauwerke mehrfach zerstört wurden, überstand dieses Mausoleum Kriege und Invasionen, weil es über Jahrhunderte unter Sand begraben lag.

Anschließend ging es durch die historischen Handelskuppeln:

Kuppel der Juweliere, Kuppel der Geldwechsler, Kuppel der Mützenverkäufer

Hier schlug einst das wirtschaftliche Herz der Seidenstraße. Händler aus China, Indien, Persien und Europa trafen sich in diesen überdachten Basaren.

Heute findet man dort Kunsthandwerk, Schmuck, Teppiche und Souvenirs.

Puppenmacher und Handwerker

Besonders schön fand ich den Besuch bei einem Puppenmacher. Die traditionellen Figuren erzählen Geschichten aus dem Orient und stellen oft Nasreddin Hodscha, Händler oder Karawanenführer dar.

Danach sahen wir die Herstellung der berühmten Susanni-Stickereien, die bis heute zu den bekanntesten Kunsthandwerken Usbekistans gehören.

Labi-Hauz – Das Wohnzimmer Bucharas

Am Nachmittag erreichten wir den Labi-Hauz-Komplex.

Unter alten Maulbeerbäumen liegt ein großes Wasserbecken, umgeben von Teehäusern, Cafés und historischen Gebäuden.

Hier steht auch das Denkmal von Nasreddin Hodscha auf seinem Esel – einer der beliebtesten Volkshelden des Orients.

Dieser Platz wirkt bis heute wie das gesellschaftliche Wohnzimmer Bucharas.

Persönliche Eindrücke

Je länger wir in Usbekistan unterwegs waren, desto höher wurden die Preise in den touristischen Vierteln. Besonders Kleidung, Tücher und Kunsthandwerk waren deutlich teurer als erwartet. Ich suchte weiterhin nach einem schönen Seidenkleid, fand aber nichts, das genau meinen Vorstellungen entsprach.

Trotzdem war dieser Tag einer der abwechslungsreichsten der Reise: beeindruckende Architektur, lebendige Basare, traditionelle Handwerkskunst und überall die Geschichte der Seidenstraße, die hier noch spürbar lebendig ist.

Unsere Reiseleiterin Irina erzählt dabei immer wieder spannende Geschichten. Geschichte wird bei ihr lebendig. Sie verbindet historische Fakten mit kleinen Anekdoten über Familienleben, Traditionen und den Alltag der Usbeken.

Der Mann auf dem Esel übrigens ist die legendäre Figur Nasreddin Hodscha (auch Nasreddin Afandi genannt). Er ist so etwas wie Till Eulenspiegel, Schelm und Volksphilosoph Zentralasiens zugleich. Über ihn werden bis heute unzählige Witze und Geschichten erzählt.


Aktuelle Beiträge

Alle ansehen

Kommentare


  • Facebook
  • LinkedIn

©2020 Anette Irsfeld. Erstellt mit Wix.com

bottom of page