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Tag 8

  • anetteirsfeld
  • 6. Juni
  • 3 Min. Lesezeit

Tag 8 – Durch die Kysylkum-Wüste nach Chiwa

Montag, 01.06.2026

Heute hieß es früh aufstehen. Bereits um 8.15 Uhr verließen wir Buchara und machten uns auf den langen Weg nach Chiwa, der westlichsten Station unserer Reise entlang der Seidenstraße.

Vor uns lagen viele Stunden Busfahrt durch die berühmte Kysylkum-Wüste. Der Name bedeutet übersetzt „Roter Sand“, und tatsächlich gehört sie zu den größten Wüsten Zentralasiens. Früher zogen hier Karawanen mit Seide, Gewürzen, Edelsteinen und Papier entlang, auf ihrem Weg zwischen China und Europa.

Die Fahrt war deutlich abwechslungsreicher, als ich erwartet hatte. Natürlich gab es lange Strecken durch trockene Landschaften, aber es war keineswegs nur Sand und Wüste. Immer wieder wechselte die Landschaft. Je näher wir Chiwa kamen, desto grüner wurde es. Es tauchten Felder (viele neuangepflanzte Baumwollpflanzen) , Bäume und erstaunlich gepflegte Dörfer auf. Viele Häuser wirkten groß und ordentlich, oft mit hohen Mauern und Innenhöfen.

Unterwegs legten wir mehrere Pausen ein. Einmal sahen wir sogar Kamele am Straßenrand stehen – ein Anblick, der sofort Bilder der alten Seidenstraße wachrief. Genau solche Momente machen diese Reise besonders. Für einen kurzen Augenblick kann man sich vorstellen, wie Händler und Reisende vor Jahrhunderten dieselben Wege zurückgelegt haben.

Während der Fahrt versorgte uns Irina wieder mit unzähligen Geschichten. Besonders spannend fand ich ihre Erklärungen zur Entstehung der Märchensammlung „Tausendundeine Nacht“. Viele der Geschichten entstanden entlang der alten Handelsrouten zwischen Indien, Persien und der arabischen Welt. Die Karawanen brachten nicht nur Waren, sondern auch Geschichten, Legenden und Mythen mit sich. Über Jahrhunderte wurden diese weitererzählt, ausgeschmückt und schließlich niedergeschrieben.

Je länger wir unterwegs sind, desto mehr wird mir bewusst, dass die Seidenstraße eigentlich weniger eine Handelsroute als vielmehr ein riesiges Netzwerk für den Austausch von Kulturen, Wissen und Geschichten war.

Erst kurz vor 17 Uhr erreichten wir schließlich Chiwa.

Mein erster Eindruck: Chiwa wirkt völlig anders als Samarkand und Buchara.

Während Samarkand monumental und Buchara lebendig erscheint, fühlt sich Chiwa fast wie ein Freilichtmuseum an. Die historische Altstadt Itchan Kala ist komplett von einer mächtigen Lehmstadtmauer umgeben. Man betritt sie durch eines der alten Stadttore und hat sofort das Gefühl, in eine andere Zeit einzutauchen.

Das Hotel (Malika Khiva) ist bislang das einfachste unserer Reise. Es erinnert stark an die sowjetische Zeit – funktional, etwas in die Jahre gekommen und deutlich weniger charmant als unsere bisherigen

Kaum angekommen, zog es mich direkt in die Altstadt. Da das Hotel unmittelbar an der historischen Stadtmauer liegt, steht man nach wenigen Schritten bereits mitten zwischen Minaretten, Medresen und Basaren.

Interessanterweise wirkt Chiwa fast wie eine Mischung aus Museum und Markt. Überall befinden sich kleine Verkaufsstände, Werkstätten und Souvenirläden. Teilweise hat man das Gefühl, dass es mehr Basar als Museum ist. Dennoch besitzt die Stadt eine ganz besondere Atmosphäre, vor allem in den Abendstunden, wenn die Besucherströme langsam nachlassen.

Später machten wir noch einen gemeinsamen Rundgang mit der Gruppe und erhielten einen ersten Überblick über die wichtigsten Bauwerke. Morgen werden wir die Stadt ausführlicher erkunden.

Das Abendessen fand heute im Hotel statt. Auch hier war die Atmosphäre stark von der sowjetischen Vergangenheit geprägt. Der Speisesaal wirkte ein wenig wie eine Zeitreise in die 1970er Jahre. Nicht besonders elegant, aber irgendwie charmant auf seine eigene Art. Und Modern Talking in entnervender Dauerschleife (siehe dazu extra Blog).

Was allerdings zunehmend auffällt, sind die Preise. Mit jedem Reisetag scheinen Essen und Getränke teurer zu werden. Manche Preise übertreffen inzwischen sogar das, was man in Deutschland in guten Hotels bezahlen würde. Das überrascht mich ehrlich gesagt etwas.

Auch die Waren auf den Basaren verändern sich. Während ich in Samarkand und Buchara noch viel traditionelles Kunsthandwerk gesehen habe, wirken viele Produkte hier eher industriell gefertigt. Man entdeckt zahlreiche Artikel, die vermutlich aus China oder Indien stammen. Trotzdem gibt es eine unglaubliche Vielfalt an Waren – besonders auffällig sind die vielen traditionellen Mützen, die in allen möglichen Farben und Varianten angeboten werden.

Nun freue ich mich auf den Abend. Vielleicht noch ein Getränk auf einer Dachterrasse mit Blick über die beleuchteten Mauern Chiwas. Morgen wartet dann die eigentliche Entdeckung dieser märchenhaften Oasenstadt.

Mein Moment des Tages:

Die Kamele am Straßenrand mitten in der Weite Zentralasiens.

Was mir heute bewusst wurde:

Die Seidenstraße transportierte nicht nur Waren. Sie transportierte Geschichten. Vielleicht sind die Märchen aus Tausendundeiner Nacht deshalb bis heute so lebendig.


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